Die halsstarrigen Truderinger: Schule - altes und neues Schulareal

Lehrer-Götz-Weg 21
München
  • Erbaut: Eröffnet am 1. Oktober 1892, nachfolgende Um- und Zubauten

1803 wurde in Bayern die allgemeine Schulpflicht eingeführt und zentrale Lehranstalten bestimmt. Mehrstündige Fußmärsche bei jedem Wetter konnten für die Schüler die Folge sein. Reizvoller war da oftmals der Besuch einer privaten, nun illegalen, Winkelschule im eigenen Dorf.

In Trudering fanden sich dazu der ehemalige Eremit von St. Emmeram und die Wirtin zusammen. So klagt Pfarrer Duschl aus Josephsburg als zuständiger Schulinspektor des Schulsprengels 1807 aufgrund der fehlenden Schüler heftig über die zumeist „halsstarrigen Truderinger“, könnten die Kinder bei seinem Lehrer Kink doch so viel Schönes und Nützliches lernen. Die Lehrqualität des ehemaligen Eremiten bezweifelnd, verlangt er 1809 die Prüfung der Ziehtochter der Wirtin. Ihre naturwissenschaftlichen Leistungen sind nur mäßig, aber Schreiben und Lesen kann sie gut. Von oberster Instanz gestattet man ihr schließlich in den Wintermonaten den Privatunterricht. Die „salomonische“ Bedingung: monatliche Tests in der Zentralschule Josephsburg.

1835 wird im Einvernehmen mit Josephsburg und Lehrer Kink im „Schlössl“ die erste Truderinger Schule eröffnet. Platzmangel bringt zehn Jahre später den ersten Schulhausneubau.

1890 sind die Zustände erneut untragbar. Statt seinerzeit maximal 60 Kinder sind nun gute 90 im Schulraum, Tendenz weiter steigend. Die Kästen für das Standesamt und die Gemeinderegistratur finden im Schulzimmer keinen Platz mehr und haben oft in die Räume des Aborts auszuweichen.

Ignaz Lachenmeyer, von 1886 bis 1914 über sein Lehramt hinaus vielfältig in Trudering engagiert und guter Geist mancher Familienfeier, wird der erste „Hausherr“ der neuen, 1892 eröffneten, heutigen Lehrer- Götz-Schule. 1901 beschreibt er sie als hell, geräumig und reinlich. Außerdem ist ein sehr schöner Schulgarten und ein eigener Obstbaumgarten vorhanden.

Was nicht immer vorhanden ist, ist der Hilfslehrer für die zweite, seit 1899 verfügte Schulstelle. So bekommen 1900 Antonie Helmer bzw. 1904 Maria Thanner als erste weibliche Lehrkräfte die Anstellung, allerdings nur, da „männliche Hilfslehrer nicht zur Verfügung stehen“.