Mit Kuh und Ziege unter einem Dach: Zwei ehemalige Kleinstbauernhöfe

Emplstr. 4 und 6
München
  • Erbaut: 1850 im Kern, starke Veränderung im 20. Jh.
  • Besonderheit: traufseitiges Doppelhäuschen mit Vorgarten; ehemals zwei Kleinstbauernhöfe

Die beiden kleinen traufseitigen Häuser mit Vorgarten wurden als Doppelhaushälften angelegt und entstanden in ihrem Kern um 1850. Sie entsprechen dem Typus des Kleinstbauernhofes, in dem Stall und Wohnbereich unter einem Dach liegen. Allerdings war in einem derartigen Stall nur Platz für eine Kuh oder ein paar Schafe bzw. Ziegen und der Bewohner des Hauses konnte gewöhnlich keinen Grund oder Acker sein Eigen nennen.

Anfang des 20. Jahrhunderts änderten sich zuerst langsam, ab der Jahrhundertmitte sehr deutlich, die Bevölkerungsstrukturen der jahrhundertelang fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägten Straßendörfer Kirch- und Straßtrudering. Verstärkt zogen Angestellte und Arbeiter aus Industrie-, Gewerbe- oder Handwerksbetrieben in die um München liegenden Orte. Die bereits stillgelegten landwirtschaftlichen Betriebe wurden neuen Nutzungen, wie Gewerbe, Handel oder Wohnraum zugeführt. Diese Entwicklung ist bei einem Gang durch die Straßen Truderings an den ehemaligen Höfen ablesbar und zeigt sich auch an diesen zwei Häuschen.

Die beiden Kleinstbauernhöfe erfuhren etliche Umbauten u.a. in den 1980er Jahren und 2005. Der aufgelassene, ehemalige Stall vergrößert seither die ursprüngliche Wohnfläche und auch die aufgesetzten Schleppgauben des Daches sind eine neuere Zutat.

Trotzdem verlangen solch kleine Häuser ihren Bewohnern weiterhin ein besonderes Maß an Flexibilität und Einschränkung ab. Dies lässt sie in unseren Tagen immer mehr zu einer erhaltenswerten Rarität werden. Für jemanden, der ruhigen Schrittes nicht nur das Ziel, sondern auch den Weg genießt, können sie überdies ein liebenswertes, optisches Gusto-Stück sein.